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Die nächste internationale Herausforderung

Josef Zindel 17.12.2018

Sm'Aesch Pfeffingen gegen den fünffachen ungarischen Meister  

Die nächste internationale Herausforderungen steht den Volleyballerinnen  von Sm'Aesch Pfeffingen vier Tage vor Weihnachten bevor: Am Donnerstag, 20. Dezember 2018, begrüssen die Baselbieterinnen den fünffachen ungarischen Meister Swietelsky Békéscsaba zum Achtelfinal-Hinspiel im CEV Cup. Nach dem erfolgreichen Vergleich mit Oudegem (Belgien) in der St. Jakobshalle weicht das Team von Head Coach Andi Vollmer dieses Mal in der Sporthalle Rankhof aus. Das Rückspiel in Ungarn findet dann am 24. Januar 2019 statt. Von Josef Zindel

Was Sm'Aesch Pfeffingen in den letzten Wochen gezeigt hat, nennt man im Sportjargon einen «Lauf». Tatsächlich ist bemerkenswert, mit welcher Souveränität die weitgehend neu zusammengestellte Mannschaft seit dem Saisonbeginn im Oktober ihre Kreise zieht und sich an der Tabellenspitze mit Düdingen ein hartnäckiges Kopf-an-Kopf-Rennen liefert, in dem die Freiburgerinnen derzeit nur deshalb im Vorteil liegen, weil sie ein Spiel mehr ausgetragen haben: 

  • Erst zwei von bisher vierzehn Partien haben die Birstalerinnen verloren: Am 23. November gab es in Düdingen eine 1:3-Niederlage, und mit dem gleichen Ergebnis ging fünf Tage später in Belgien das Auswärtsspiel im CEV Cup gegen Oudegem verloren – was sich später als dank vier Satzgewinnen im Rückspiel als unschädlich herausstellen sollte.

  • Sieben der elf bisher gewonnenen Spiele gewann SMAP ohne Satzverlust. Insgesamt stehen in der aktuellen Meisterschaftsstatistik nur neun verlorene Sätze.

  • Seit der 1:3-Niederlage im Hinspiel gegen Oudegem hat Sm'Aesch Pfeffingen alle vier weiteren Partien gewonnen, zuerst das Rückspiel gegen die Belgierinnen, dann das Spitzenspiel gegen Kanti Schaffhausen und jetzt, am vergangenen Wochenende gegen Genève und Franches Montagnes. Einzig gegen Franches Montagnes gab es in diesen vier Partien einen Satzverlust. ·

  • Im Topscorer-Klassement liegt Dora Grozer derzeit so weit vorne, dass sie diesen Wettbewerb am Ende der Saison sogar gewinnen kann.  

Diese vorzügliche Zwischenbilanz gewinnt noch an Wert, wenn man berücksichtigt, dass zwei potentielle Stammspielerinnen wegen Verletzungen fehlen: Seit Saisonbeginn kann Solenn Fabien nicht mittun, seit Ende November fehlt auch Passeuse Taylor Tashima. Wann die Französin und die Amerikanerin wieder mittun können, ist ungewiss. Fakt ist, dass die beiden Meisterschaftsspiele vom Wochenende mit nur neun Spielerinnen gewonnen worden sind.

Sicher ist, dass beide auch am Donnerstag im Hinspiel der Achtelfinals des CEV Cups fehlen werden, wobei die Begegnung mit Swietelsky Békéscsaba so oder so eine schwierige Aufgabe sein wird. Die Ungarinnen haben sich in den Sechzehntelfinals wie SMAP im Golden Set durchgesetzt. Wie die Baselbieterinnen haben sie das Auswärtsspiel 1:3 verloren, das Rückspiel dann aber 3:0 und 15:9 im Zusatz-Set gewonnen, und das gegen einen durchaus starken Rivalen, gegen Kimik Yuzhny aus der Ukraine.

 

Drei starke Montenegrinerinnen

Mihàly Kormos, ein Namensvetter eines bedeutenden ungarischen Filmschauspielers, ist der starke Mann von Swietelsky Békéscsaba. Im Jahr 2000 gehörte er zu den Mitgründern des Vereins, war jahrelang dessen Vize-Präsidenten und ist seit Jahren auch Trainer von «Béké» und daneben auch in verschiedenen Funktionen im ungarischen Volleyballverband aktiv. In Békéscsaba verfügt Kormos aktuell über ein Kader von Spielerinnen, von denen zehn Ungarinnen sind. Die fünf Ausländerinnen kommen weder aus den USA noch aus Brasilien oder anderen westlichen Volleyball-Ländern, sondern aus Montenegro sowie aus Serbien und Kroatien.

Zu den auffälligsten Spielerinnen gehörten ohne Zweifel die drei montenegrinischen Nationalspielerinnen. Die 24jährige Montenegrinerin Nikoleta Perovic, die allein in den zwei Spielen gegen Yuzhny 48 Punkte gesammelt hat. Perovic bringt einiges Auslanderfahrung aus Engagements in Tschechien, Rumänien und beim MTV Stuttgart mit, ehe die starke Diagonalangreiferin ihre aktuelle Stelle in Ungaren antrat. Tatjana Bokan sammelte viel Erfahrung in Basels Nachbarschaft bei ASPTT Mulhouse, unter anderem in der Champions League. Am bestens von den dreien kennt Andi Vollmer allerdings Ksenija Ivanovic, die einst bei Wiesbaden unter dem heutigen Aescher Trainer gespielt hat. 

Auf die Frage, wie die Ungarinnen im Vergleich mit dem letzten Gegner aus Belgien einzustufen seien, kam Vollmer ins Lachen. «Da besteht ein sehr grosser Unterschied», befand er, «so dass wir dieses Mal klarer Aussenseiter sind.» Vollmer wies dabei auf die grossen Ambitionen des Teams aus Békéscsaba hin: «Die wollen alles gewinnen, die Meisterschaft, den Pokal, ja, mittlerweile haben sie auch einen Europacup-Sieg im Visier.»  

Vollmer aber wäre nicht Vollmer, wenn er nicht gleich auch wieder die optimistische Seite herausgekehrt hätte: «Chancenlos werden wir deshalb nicht sein. Wenn wir so spielen wie zuletzt, dann weiss ich nicht…Sicher ist, dass wir perfekt servieren und weiterhin ganz stark am Block arbeiten müssen, denn die Ungarinnen kennen nur eine Richtung: Den Angriff.»  

Békéscsaba, wohin die Reise für Sm'Aesch Pfeffingen am 24. Januar 2019 führen wird, ist eine Stadt mit knapp 70‘000 Einwohnern im Süden des Landes, unweit von Rumänien und den Städten Timisoara und Cluj. Geld- und Namensgeber des Sportvereins, in dem neben Volleyball vor allem auch Wasserball auf hohem Niveau gespielt wird, ist Swietelsky, ein Bau-Unternehmen aus Österreich mit zahlreichen Tochterfirmen in den umliegenden Ländern. 8700 Menschen beschäftigt der drittgrösste Unternehmer der österreichischen Baubranche, einen Teil davon wie erwähnt in Békéscsaba, einer Stadt, aus der nebenbei bemerkt auch mehrere frühere und aktuelle Schach-Spitzenspieler stammen.

                                        

Abenteuer mit starker finanzieller Belastung

Zurück zum Schweizer Vize-Meister der beiden vergangenen Jahre: Bereits in der vergangenen Saison hat Sm'Aesch Pfeffingen international überzeugt. Andi Vollmer führte sein Team in seinem ersten Jahr in Aesch bis in die Viertelfinals. Derlei Begegnungen sind spannend, attraktiv und für die Spielerinnen oft auch sehr lehrreich und eine enorme Chance, sich zu präsentieren, so wie das zuletzt die knapp 17jährige Annalea Maeder als Ersatz für die verletzte Zuspielerin Taylor Tashima mehrmals auf verblüffend und erfreulich starke Weise getan hat.  

Doch für den Verein und dessen Führung um Werner Schmid kommen alle Europacupspiele jeweils auch einer starken finanziellen Belastung gleich, zumal die Löhrenacker-Halle den Vorschiften des internationalen Verbandes nicht genügt. Verlangt werden unter anderem eine Hallenhöhe von mindestens 9,0 Metern, doppelt so starkes Licht wie in der Nationalliga A und eine Zuschauerkapazität, was mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Gegen Oudegem spielte man in der St. Jakobs-Halle, die naturgemäss ihren Preis hat. Dieses Mal findet das Europacup-Heimspiel in der Rankhof-Halle an der Grenzacherstrasse, direkt neben dem Fussballstadion Rankhof, statt. Es erklärt sich deshalb schon fast von allein, dass nicht nur die jungen und ambitionierten Spielerinnen auf grosse Unterstützung der Fans angewiesen sind, sondern dass eine möglichst grosse Zuschauerzahl mithilft, das Defizit, das auch dieses Mal entstehen wird, zu verkleinern.  

JOZ