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Sm'Aesch Pfeffingen gewinnt die Silbermedaille und ist sensationeller Vizemeister!

Thomas Wirz, Paul Ulli, Jürg Müller 25.04.2016

Verdienter Lohn für eine ganz starke Saison
Sm'Aesch Pfeffingen schreibt Vereinsgeschichte und steht erstmals auf dem Ligapodest

Von Thomas Wirz, Oerlikon
Es ist ein besonderer Moment in der nun 16-jährigen Vereinsgeschichte von Sm'Aesch Pfeffingen: Die Birstaler Spielerinnen erhalten von Swiss Volley-Präsidentin Nora Willi eine Silbermedaille umgehängt, womit Sm’Aesch im elften Nationalliga A-Jahr erstmals mit Meisterschaftsmedaillen geehrt wird. Es ist der verdiente Lohn für eine aussergewöhnliche Spielzeit, in der das Baselbieter Team zuerst im Europacup und dann auch in der heimischen Liga für Furore sorgte. Da ändert auch die gestrige 0:3-Klatsche (11:25, 17:25, 14:25) in der dritten und letzten Playoff-Finalpartie gegen Volero Zürich rein gar nichts. Nach dem fast ausgeglichen verlaufenen zweiten Finalduell wollte das Zürcher Starensemble zum Saisonabschluss nichts anbrennen lassen und spielte bis zwei Punkte vor dem siebten Doublegewinn in Folge(!) in stärkster Formation durch. Nach einem fahrigen ersten Abschnitt steigerte sich die Equipe von Cheftrainer Timo Lippuner im zweiten Satz enorm und vermochte auch dank der glänzend aufgelegten Barbara Duarte bis zum Stand von 17:18 mitzuhalten. Dann sorgte Volero-Ausnahmeangreiferin Olesia Rykhliuk mit drei Hammersmashes in Folge aber für die Satzvorentscheidung, womit der Faden beim Gast gerissen war und in Durchgang drei auch nicht mehr gefunden wurde.
Eine Saison der Superlative
Trotz dem letztlich klaren und auch erwarteten 0:3-Playoff-Gesamtverdikt gab es gestern Abend im Sm'Aesch Pfeffingen-Lager nur lachende und zufriedene Gesichter. Dies mit gutem Grund. Dem Birstaler Kombinat ist eine beeindruckende und fast makellose Saison gelungen. Mit dem Viertelfinalplatz im Challenge-Cup dank Siegen über die Landesmeister von Spanien, Finnland und Israel sowie Rang zwei in der Meisterschaft hat es die Erwartungen klar übertroffen. Aber die Equipe von Frauen-Nationaltrainer Timo Lippuner darf nicht nur stolz auf die Resultate sein, sondern auch auf die Art und Weise, wie diese erreicht wurden. Sie überzeugte auf und neben dem Platz als Einheit und durch Kampfgeist bis zum letzten Punkt. Diese Leidenschaft wurde unter anderem dadurch belohnt, dass von neun gespielten Tie-Breaks acht gewonnen wurden und so gleich mehrere Schlüsselspiele an Sm’Aesch gingen.
„Nach Rang vier in der letzten Saison und einer weiteren Budgetaufstockung habe ich auf Schlussrang drei gehofft. Dass es jetzt die Silbermedaille geworden ist und wir überdies die Europacup-Viertelfinals erreicht haben, ist schlicht sensationell“, zieht Vereinspräsident Werner Schmid ein höchst positives Saisonfazit. Die nochmalige Steigerung gegenüber der schon starken letzten Spielzeit sei umso bemerkenswerter, als das Birstaler Kombinat wegen den Verletzungen der beiden Schweizer Teamstützen Laura Künzler und Maja Storck kaum je in Bestformation aufgelaufen sei. Dieses Verletzungspech war für Schmid indes das einzige Ärgernis der Saison: „Sportlich ist es hervorragend gelaufen und auch in Sachen Strukturen konnten wir dank der neuen Geschäftsstelle vorwärts machen. Die Organisation von acht Europacuppartien wäre noch in der Saison 2014/2015 schlicht nicht möglich gewesen“, hält der starke Mann des Playoff-Finalisten fest. Nach dem Feiern der bis anhin klar erfolgreichsten Sm'Aesch Pfeffingen-Spielzeit sollen am nächsten Montag an einem Workshop der Vereinsleitung bereits die Weichen für die Saison 2016/2017 gestellt werden. Auf die Frage nach dem grössten Wunsch für das zwölfte Nationalliga A-Jahr muss Schmid nicht lange überlegen und sagt: „Es wäre toll, wenn wir zwei oder drei neue Schweizerinnen mit Zukunftspotenzial verpflichten könnten.“ Die Zugänge von zwei heimischen Nachwuchskräften stehen schon fest: Die Fricktalerin Roxana Wenger soll Lena Sacher als zweite Passeuse ersetzen und die Walliser Jugend-Nationalspielerin Alexandra Lorenz wird zweite Libera. Im Gespräch ist man sodann auch mit der 1 Meter 87 grossen Offensivkraft Samira Sulser von Galina Schaan.
Kommt eine Holländerin?
Was die zentralen Positionen betrifft, so ist Coach Lippuner als Baumeister des Sm’Aesch-Höhenflugs vor allem an der holländischen Zuspielerin Tess von Piekartz vom Bundesligisten Vilsbiburg interessiert. Sie könnte Nachfolgerin von Rosane Maggioni werden. „Von Piekartz bringt sechs Jahre Erfahrung aus der deutschen Bundesliga mit und ist eine Passeuse, die ein schnelles Angriffsspiel bevorzugt“, sagt der Solothurner zum Thema Spielführerin. Vordringlich ist derzeit aber insbesondere der Verbleib des Duos Barbara Duarte/Anu Ennok. Die brasilianische Mittelblockerin und die estnische Aussenangreiferin machten in dieser Saison durch ihre mentale Stärke oft diejenigen Punkte, die im Volleyball bei engen Spielständen zum Satzende entscheidend sind. Weil beide sich im Baselbiet auch wohl fühlen, sollte eine Vertragsverlängerung gewiss nicht daran scheitern, dass die Konditionen ihres Kontraktes nach oben angepasst werden. Ob die durch den Abgang von Jekaterina Stepanova frei werdende Position im Aussenangriff durch eine andere Ausländerin (starke Schweizer Offensivkräfte sind Mangelware) besetzt werden kann, dürfte vor allem vom zur Verfügung stehenden Budget abhängen. Wie hoch dieses sein kann und soll wird beim Aescher Workshop wohl eines der Hauptthemen sein.  

 

 

Sm'Aesch Pfeffingen verliert auch die dritte Partie des Playoff-Finals und wird hinter Volero Zürich sensationeller Vizemeister.
Von Paul Ulli.
Auch in diesem dritten Playoff-Finalspiel gab es kaum je Zweifel über den Ausgang. Zu überlegen und mit viel Routine gespickt spielte der alte und neue Schweizer Meister Volero Zürich gegen ein doch sehr junges und unerfahrenes Team von Sm'Aesch Pfeffingen. Wie schon in den bisherigen Finalspielen verpasste die Mannschaft von Head-Coach Timo Lippuner den Startsatz. 8:2 lautete das klare Verdikt beim ersten technischen Time-Out zu Gunsten der klaren Favoritinnen. Gegen die Angriffe der 197 cm grossen Ukrainerin Olesia Rykhliuk, welche am Schluss der Partie 18 Winnerpunkte auf dem Matchblatt hatte, blieb der Sm'Aesch Pfeffingen-Block meist chancenlos. Und wenn die Baselbieterinnen sich für einmal erfolgreich wehren konnten und einen Punkt machen wollten, kam von irgendwo her die unglaublich wendige Libera Silvija Popovic geflogen und rettete auch die bereits sicher scheinenden Bälle.
Steigerung im zweiten Satz
Die Gäste wehrten sich nach Kräften und vor allem die in der letzten Partie unglücklich kämpfenden Maja Storck (17) und Barbara Duarte waren für die Steigerung verantwortlich. Nach dem 9:9 und 15:15 war es dann aber wieder die nicht zu stoppende Rykhliuk welche zusammen mit der Russin Ekatarina Orlova (195 cm) die Stärkeverhältnisse wieder herstellte und den Satz doch noch relativ klar mit 25:17 nach Hause brachten. Im dritten Satz kamen dann bei Sm'Aesch Pfeffingen auch noch jene Spielerinnen, wie Libera Lisa Leu und Manoela Duarte zum Einsatz, die sonst nicht auf dem Feld stehen. Denn auch diese haben grossen Anteil am grössten Erfolg der Vereinsgeschichte, welcher nach Spielschluss mit einem Mannschafts-Selfie von Storck auch noch bildlich festgehalten wurde. So richtig gefeiert wird dann bei Sm'Aesch Pfeffingen zusammen mit den Fans und Sponsoren am kommenden Samstagabend in der Mehrzweckhalle in Pfeffingen beim grossen Abschlussabend mit Anna Rossinelli und Roberto Giobbi. Dort werden dann die Spielerinnen ihre Silbermedaille für den mehr als überraschenden Vizemeister-Titel stolz präsentieren dürfen.
Matchtelegramm: Volero Zürich – Sm’Aesch Pfeffingen 3 : 0 Sätze: 25:14, 25:17, 25:14